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NewsBlog _ Rubrik: Kommunikation

Information vom 09. Oktober 2017

Hätte, hätte, Fahrradkette

Der Konjunktiv

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Mit Hilfe der Möglichkeitsform ist noch kein Finanzberater oder Stratege reich geworden: Es gibt nur eine Realität und über sieben Milliarden Wahrheiten. Viele Menschen (ich vermute auch hier eine Art Pareto-Prinzip und 80:20-Teilung) gehen davon aus, dass die persönliche Wahrheit und individuelle Wirklichkeit der Realität entspricht, verwechseln die eigene Wahrnehmung mit den Fakten und Ereignissen, die in der Tat passieren. Tatsächliche Fakten sind einmalig und einzigartig, alternative Fakten, Meinungen und Positionen meist nur eine Inszenierung und Interpretation eingehender Informationen und Reize. Der Konjunktiv ist und bleibt die Möglichkeitsform. Die Realität ist aber keine Wahrscheinlichkeitsrechnung der Optionen. Alle wollen individuell sein, etwas Besonderes, suchen innovative Wege und bereichernde Novitäten und blockieren gleichzeitig das Neue, das Kreative oder haben Angst, wenn jemand anders ist.

Die ewige Mitte
Auch wenn Parteien und viele Unternehmen den Mittelweg suchen und meditativ sein wollen, verlangt man Höchstleistungen, Perfektion und Über-Durchschnittliches. Man bleibt gelegentlich unverbindlich und legt sich nicht fest, damit man morgen flexibel und effizient wieder das Fähnchen im Wind drehen kann. Positioning ohne Position? Scharfe Kanten ohne Profil? Das geht nicht. Leitsysteme dürfen weder widersprüchlich, noch irreführend sein, der Suchende muss sich orientieren können. Der Durchschnitt ermöglicht keine Aussage über die Volatilität, den Zenit und die einzelnen Werte.

Vielleicht
Mit eventuell, wahrscheinlich, könnte sein, hätte, würde, müsste, sollte, prognostiziert man, jemand, eine Option, alternative Fakten, mutmaßliche Darstellungen, die möglicherweise in Betracht gezogen werden könnten. Glaube, Hoffnung, Annahmen, Vermutungen, Vorstellungen oder Träume dienen als Visionen oder Planungsgrundlagen, streben Ziele an, die nicht ausgeschlossen werden können oder die sich als Fallbeispiel, oftmals nur exemplarisch, der Realität annähern. Auch wissenschaftliche Analysen und objektive Fakten können den Zufall oder eine Ausnahme nicht legitimieren. Selbst Konditionalsätze (mit falls oder wenn, dann) versuchen lediglich den beispielhaften Zusammenhang zwischen Kausalität und Wirkung zu verbalisieren.

Glücklicherweise
Manchmal scheinen rationale Tatsachen durch eine emotionale Logik, Referenzen der Rosinenpickerei bzw. Stichproben die allgemeine Gültigkeit eines Ergebnisses oder das Glück die automatische Funktion einer Sache durch Formulierungen wie "in der Regel, prinzipiell, eigentlich, statistisch betrachtet […]" zu garantieren versucht. Durch Fakten versucht man Thesen und Wahrseinlichkeiten glaubwürdig und argumentativ zu belegen. "Wenn man davon ausgehen kann, dass" oder "es möglich und sehr wahrscheinlich ist", ermöglichen selbst 99% keine hundertprozentige Sicherheit und Majoritäten lediglich eine Tendenz. Wenn vieles für ein Ergebnis spricht, man davon ausgehen kann, man sich ganz sicher ist, es eine Überraschung wäre oder es vorteilhaft erscheint, können sich Prozesse plötzlich ändern, die Richtung wechseln und Resultate ganz unerwartet neue Fakten liefern und neue Voraussetzungen schaffen.

Naheliegend, doch weit entfernt
Es gibt eine Menge Beispiele, die zeigen, dass "Stimmen, Meinungen und Mehrheiten" sich auch täuschen können. Sogar in der mathematischen Logik werden Gesetze, Formeln und feste Funktionen als richtig angenommen, bis sie widerlegt werden. "In Anbetracht der Tatsache" weist bereits auf die Möglichkeit der Variantenvielfalt hin und die juristische Komponente berücksichtigt "in dubio pro reo". Vermutungen, Annahmen und die Fortführung einer Stetigkeit, eines Erfahrungswertes oder situativen Logik können das Übliche und Etablierte fortsetzen, mit dem Erfinden der Zukunft aber keinerlei Sicherheit für eine Wahrsagung geben. Typisch für die Irreführung, Wahrheit und angebliche Realität ist auch die Darstellung der Verallgemeinerung durch die Wiedergabe eines winzigen Ausschnitts, der als Beleg dienen und repräsentativ sein soll. So belegen z.B. 90% (die allermeisten Teilnehmer einer Auswertung), scheinbar glaubhaft einen »wissenschaftlich ermittelten Durchschnittswert«, obgleich man tatsächlich nur 50% analysieren würde. Wer definiert also Wahrheiten und prägt so Vorurteile?

Hätte, hätte, Fahrradkette
Hinterher bzw. rückwirkend betrachtet ist man immer klüger und kann statt über Prognosen über verbindliche Tatbestände sprechen. Der Konjunktiv beschreibt letztendlich nur formal die Möglichkeit einer Entwicklung ohne die Möglichkeit tatsächlich zu garantieren. Trend- und Zukunftsforscher sind daher keine wissenschaftlichen Analysten, die Prozesse verbindlich beschreiben können, sondern lediglich Varianten darstellen und Eventualitäten in Worte fassen.

"Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär."

Zitat des Tages

„Ich würde nicht sagen, dass ich alles wieder so mache, wie ich es gemacht habe, denn dieser Weg ist von Höhen und Tiefen geprägt, aber auch von Fehlern.”

Helmut Kohl
Bemerkung der Redaktion

Alle wichtigen Entscheidungen beruhen auf Zielsetzungen. Erst rückblickend können wir das Erreichen der Ziele und die Entwicklungen bewerten. Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft blicken.

Schrift des Tages

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